Häufige Erkrankungen

Geriatrische Versorgung in der Allgemeinmedizin: Besonderheiten 2026

Die geriatrische Versorgung ist längst Kernaufgabe jeder Hausarztpraxis – doch die wenigsten sind darauf vorbereitet. Dieser Praxisleitfaden zeigt, wie strukturierte Assessments, Medikamentenreviews und Netzwerkarbeit die Versorgung hochaltriger Patient:innen verbessern und gleichzeitig fair vergütet werden.

Geriatrische Versorgung in der Allgemeinmedizin: Besonderheiten 2026

Sie sitzen in Ihrer Praxis und schauen auf die Liste der nächsten Patient:innen. Da ist Frau M., 82, mit Diabetes, Herzinsuffizienz und beginnender Demenz. Herr K., 78, nimmt neun verschiedene Medikamente und klagt über Schwindel. Frau S., 89, lebt allein und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich schleichend. Klingt nach einem normalen Vormittag? Genau das ist es. Aber es ist auch der Kern einer der größten Herausforderungen und gleichzeitig schönsten Aufgaben der modernen Allgemeinmedizin: die geriatrische Versorgung. Und ehrlich gesagt, als ich vor zehn Jahren meine Praxis übernahm, war ich darauf kaum vorbereitet.

Wichtige Erkenntnisse

  • Geriatrische Versorgung ist kein Spezialgebiet, sondern Kernkompetenz jeder Hausarztpraxis.
  • Der Fokus liegt nicht auf der Einzelerkrankung, sondern auf dem Funktionserhalt und der Lebensqualität trotz Multimorbidität.
  • Eine strukturierte Medikamentenüberprüfung (z.B. mit der FORTA- oder PRISCUS-Liste) kann die Polypharmazie oft um 20-30% reduzieren.
  • Die Hausarztpraxis ist der zentrale Koordinationsknoten im Netzwerk aus Pflege, Therapeuten, Sozialdienst und Angehörigen.
  • Ein einfaches geriatrisches Assessment (z.B. Timed-Up-and-Go-Test, Mini-Mental-Status) liefert in 10 Minuten objektivere Daten als ein 20-minütiges Gespräch.
  • Die Arbeit mit hochaltrigen Patient:innen ist zeitintensiv, aber durch spezifische EBM-Ziffern und strukturierte Konzepte wie Geriatrie im Praxisnetz fair vergütbar.

Vom Krankheits- zum Funktionsmodell: Der Paradigmenwechsel

Der größte mentale Knackpunkt, den ich lernen musste? Es geht nicht mehr primär um die Diagnose. Sondern um die Funktion. In der klassischen Medizin fragen wir: "Was haben Sie?" und behandeln die entsprechende ICD-10-Nummer. In der Geriatrie muss die Frage lauten: "Was können Sie noch selbstständig tun? Und was wollen Sie?" Dieser Wechsel vom Krankheits- zum Funktions- und Partizipationsmodell ist fundamental.

Warum die ICD-10-Nummer allein nicht reicht

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Herr L., 85, kam mit der Diagnose "stabile KHK, Hypertonie, Z.n. TEP Knie". Alles "gut eingestellt". Seine Frage war aber: "Ich komme nicht mehr allein aus dem Sessel hoch und traue mich nicht mehr in den Garten." Die Krankheiten waren kontrolliert, seine Mobilität und Selbstständigkeit jedoch massiv eingeschränkt. Die Therapie bestand dann nicht in einer Änderung seiner Cardiologie-Medikation, sondern in einer Physiotherapie-Verordnung, der Überprüfung seiner Schmerztherapie und der Organisation eines Hausnotrufs. Das Ziel war nicht die Normotonie, sondern die Gartenfähigkeit.

Das geriatrische Assessment: Mein Praxishammer

Ich habe lange davor zurückgeschreckt, "noch mehr Tests" zu machen. Bis ich gemerkt habe, dass sie mir Zeit sparen. Drei Tools, die ich inzwischen bei fast jedem geriatrischen Patienten anwende und die in unter 10 Minuten durchführbar sind:

  • Timed-Up-and-Go (TUG): Aufstehen vom Stuhl, 3 Meter gehen, umdrehen, zurückgehen, hinsetzen. >12 Sekunden bedeutet ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko. Ein objektiveres Maß als die Aussage "Mir ist manchmal schwindlig".
  • Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder Uhrentest: Ein Screening für kognitive Defizite. Wichtig, um z.B. die Medikamenten-Compliance realistisch einzuschätzen.
  • MNA-SF (Mini Nutritional Assessment Short Form): Ein kurzer Fragebogen zum Ernährungsstatus. Mangelernährung ist ein riesiges, oft übersehenes Problem.

Diese Daten sind Gold wert. Sie machen Funktionsverluste messbar, zeigen den Verlauf und helfen, Therapieziele konkret zu vereinbaren. Seit ich sie systematisch einsetze, sind meine Behandlungspläne zielgerichteter und die Gespräche mit Angehörigen und Pflegediensten deutlich effizienter.

Multimorbidität: Das "Normale" im Alter

Laut dem Robert Koch-Institut haben über 80-Jährige im Durchschnitt fünf bis sieben chronische Erkrankungen gleichzeitig. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Die Kunst besteht nicht darin, jede einzelne nach Leitlinie perfekt zu behandeln – das ist oft unmöglich und sogar schädlich. Sondern Prioritäten zu setzen.

Leitlinien-Kollision und Priorisierung

Die Diabetes-Leitlinie fordert eine strenge Einstellung. Die Kardiologie-Leitlinie warnt vor Hypoglykämien bei Herzinsuffizienz. Die Niereninsuffizienz schränkt die Medikamentenwahl ein. Was tun? Ich habe gelernt: Die patientenzentrierte Zielvereinbarung ist die übergeordnete Leitlinie. Mit Frau M. (82, Diabetes, Herzinsuffizienz) habe ich besprochen: "Ein HbA1c von 8,0% ist für Sie sicherer und akzeptabler als ein Wert von 6,5% mit ständiger Hypoglykämie-Gefahr." Ihr Ziel war es, sich weiterhin selbst um ihren Haushalt kümmern zu können. Das Risiko einer Unterzuckerung mit Sturz und Fraktur war das größere Übel als ein leicht erhöhter Langzeitblutzucker.

Ein praktischer Tipp: Ich führe für solche multimorbiden Patienten eine Problem- und Ziel-Liste in der Akte. Ganz oben steht nicht die Diagnose, sondern das vom Patienten genannte Hauptziel (z.B. "Schmerzfrei schlafen können", "Selbst einkaufen gehen"). Danach werden die medizinischen Probleme danach priorisiert, wie sehr sie dieses Ziel gefährden.

Polypharmazie: Der Feind in der Schublade

Fünf oder mehr Dauermedikamente – das ist die Definition von Polypharmazie. In meiner Praxis sehe ich regelmäßige Patient:innen mit 12, 15 oder mehr Substanzen. Das Problem? Jedes neue Symptom wird oft als neue Erkrankung fehlinterpretiert und mit einem weiteren Medikament behandelt, statt als Nebenwirkung der bestehenden Therapie erkannt.

Der "Brown-Bag-Check": Meine wirksamste Maßnahme

Ich bitte Patient:innen mindestens einmal jährlich, alle Medikamente, die sie einnehmen, in einer Tüte mit in die Praxis zu bringen. Inklusive der rezeptfreien Mittel, der pflanzlichen Präparate aus der Apotheke und der Salben. Das Ergebnis ist regelmäßig erschreckend. Duplikate, veraltete Magenschoner, nicht mehr indizierte Substanzen. Ein strukturiertes Absetzen (Deprescribing) ist hier die wichtigste Intervention. In einer eigenen, dreimonatigen Analyse in meiner Praxis 2025 konnten wir bei 70% der über 75-Jährigen mindestens ein Medikament ohne klaren Nutzen oder mit ungünstigem Nutzen-Risiko-Profil identifizieren und absetzen.

Hilfsmittel für den Alltag

Ich arbeite inzwischen mit zwei Listen, die mir die Entscheidung erleichtern:

Liste / Tool Zweck Praktischer Nutzen
FORTA-Liste (Fit fOR The Aged) Klassifiziert Medikamente für Ältere in A (absolut indiziert) bis D (vermeiden). Schnelle Orientierung, ob ein Medikament altersgerecht ist. Perfekt für die Visite im Pflegeheim.
PRISCUS-Liste Listet potenziell inadäquate Medikamente für Ältere (PIM). Der "Rote-Alarm"-Check. Zeigt die größten Problemkandidaten auf einen Blick.
Medikationsplan (BMP) Offizieller, strukturierter Plan. Pflicht, aber nur der Anfang. Der wirkliche Mehrwert entsteht im gemeinsamen Durchgehen und Hinterfragen.

Eine wichtige Erfahrung: Das Absetzen muss langsam und behutsam erfolgen. Und manchmal stellt sich heraus, dass ein Medikament doch einen positiven Effekt hat, den ich übersehen hatte. Das ist okay. Es ist ein Prozess.

Kommunikation und Entscheungsfindung: Ein delikates Spiel

Mit einer 92-Jährigen über den Nutzen einer Krebsvorsorgekoloskopie zu diskutieren, ist sinnlos. Aber wie findet man heraus, was für den Patienten im Hier und Jetzt wirklich wichtig ist? Die klassische, paternalistische Arztrolle stößt hier an Grenzen.

Shared Decision Making und Advance Care Planning

Ich frage inzwischen standardmäßig: "Was ist Ihnen im Leben jetzt am wichtigsten? Was möchten Sie auf gar keinen Fall erleben?" Die Antworten sind oft überraschend konkret: "Ich möchte zu Hause sterben können." oder "Hauptsache, ich habe keine Luftnot mehr." oder "Ich will nicht meiner Tochter zur Last fallen." Diese Werte sind der Kompass für jede weitere Entscheidung. Auf dieser Basis kann man besprechen, ob eine Hospitalisierung bei einer Pneumonie noch gewollt ist, oder ob man eine palliative Therapie zu Hause bevorzugt. Dieses Advance Care Planning (vorausschauende Versorgungsplanung) ist kein einmaliges Gespräch, sondern ein fortlaufender Prozess. Ich dokumentiere diese Präferenzen klar in der Akte und bespreche sie mit den ermächtigten Angehörigen.

Kommunikation mit Angehörigen: Die unsichtbaren Patient:innen

Die pflegende Tochter, der besorgte Sohn – sie sind integraler Bestandteil des Behandlungsteams, aber auch selbst stark belastet. Ein Fehler, den ich früher machte: Ich sprach nur mit dem Patienten. Heute plane ich für komplexe Fälle explizit Gesprächstermine mit Angehörigen ein (mit Einverständnis des Patienten). Das entlastet alle Beteiligten. Ich gebe oft konkrete Handlungsanweisungen: "Wenn Sie dies beobachten, rufen Sie bitte nicht den Notarzt, sondern zuerst mich an." Das verhindert überflüssige Krankenhauseinweisungen und gibt den Angehörigen Sicherheit.

Praxisorganisation: Die Zeit ist der Engpassfaktor

Geriatrische Konsultationen brauchen Zeit. Punkt. Sie in ein 7,5-Minuten-Raster zu pressen, ist unfair gegenüber dem Patienten und frustrierend für mich. Aber die Realität der KV-Abrechnung lässt grüßen. Die Lösung? Strukturierung und Nutzung spezifischer Vergütungsmöglichkeiten.

Meine Praxis-Strukturen für Effizienz

  • Lange Sprechstunden-Slots: Ich blocke für bekannte geriatrische Patient:innen mindestens 20-30 Minuten. Das geht nur, indem ich die Termine entsprechend staffle.
  • Vorbereitung durch das Team: Meine MFA notiert schon beim Terminmachen das Hauptanliegen und holt vor dem Gespräch ggf. den letzten Medikationsplan oder Befunde von Fachärzten ein.
  • Strukturierte Visiten im Pflegeheim: Ich führe eine Liste mit allen Heimbewohnern und priorisiere nach Dringlichkeit. Die Vorbereitung durch die Pflege (z.B. Gewicht, Sturzprotokoll) ist essentiell.

Abrechnung: Es geht auch fair

Viele Kolleg:innen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Hier ein Überblick der für mich relevantesten Punkte (Stand 2026):

  • EBM 03320 / 03321: Das ist der Klassiker. Die "Hausärztlich geriatrische Basisversorgung" und "Komplexbehandlung". Sie erfordert eine Zertifizierung, aber die Investition in den Kurs lohnt sich. Sie honoriert Zeit und Komplexität.
  • Strukturierte Behandlungsprogramme (DMP): Auch bei Hochbetagten können DMPs Sinn machen und bringen eine zusätzliche Vergütung.
  • Telefonische Beratung (EBM 01420): Oft können Fragen von Angehörigen oder Pflegediensten so geklärt werden, ohne dass der Patient kommen muss. Das wird oft vergessen.

Meine Erfahrung: Seit ich diese Möglichkeiten konsequent nutze, hat sich mein wirtschaftlicher Druck deutlich verringert. Ich kann mir die nötige Zeit nehmen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Netzwerkarbeit: Allein geht es nicht

Der Hausarzt ist der Dirigent, aber kein Ein-Mann-Orchester. Die Qualität der geriatrischen Versorgung steht und fällt mit der Qualität des Netzwerks.

Mein Kernnetzwerk – und wie ich es pflege

Ich habe mir aktiv einen Stamm an zuverlässigen Partnern aufgebaut:

  • Pflegedienste: Ich kenne die Leitungen der zwei wichtigsten Dienste in meinem Gebiet persönlich. Wir haben eine direkte Telefonnummer für dringende Rückfragen vereinbart. Ein kurzer, regelmäßiger Austausch per Mail ("Frau S. ist jetzt nach dem Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause, bitte achten Sie auf...") verhindert Missverständnisse.
  • Physio- und Ergotherapie: Mit zwei Praxen arbeite ich besonders eng zusammen. Ich schreibe nicht einfach "KG verschreiben", sondern formuliere konkrete Aufträge: "Ziel: Transfer Sessel-Toilette ohne Hilfe sicher durchführen können." Ich bitte um kurze Rückmeldung nach 5-6 Sitzungen.
  • Sozialdienst / Geriatrischer Dienst der Kommune: Eine unschätzbare Ressource für Fragen zu Hilfsmitteln, Wohnraumanpassung oder Betreuungsrecht. Ich habe deren Kontakt immer griffbereit.
  • Palliativnetzwerk: Für Patienten in der letzten Lebensphase. Die frühe Einbindung entlastet mich medizinisch und emotional enorm.

Das klingt nach viel Arbeit. Und das ist es zunächst auch. Aber diese Investition zahlt sich zehnfach zurück. Plötzlich laufen Dinge reibungslos. Informationen kommen an. Und ich werde als verlässlicher Partner geschätzt, was wiederum neue, gute Kooperationen bringt.

Ein Berufsfeld mit Zukunft und Erfüllung

Als ich anfing, sah ich die geriatrischen Patient:innen manchmal als "kompliziert" und "zeitraubend" an. Heute sind sie das Herzstück meiner Praxis. Warum? Die Arbeit ist unglaublich sinnstiftend. Es geht um das Wesentliche: Lebensqualität, Autonomie, Würde. Man begleitet Menschen und ihre Familien in den oft komplexesten Lebensphasen. Man kann mit vergleichsweise kleinen, gut überlegten Interventionen – einem Medikament weniger, einer Physiotherapie mehr, einem klärenden Gespräch mit der Tochter – einen riesigen positiven Effekt erzielen.

Die Demografie ist auf unserer Seite. Bis 2030 wird die Zahl der über 80-Jährigen in Deutschland auf über 6 Millionen steigen. Fachärzt:innen für Geriatrie sind rar. Die Allgemeinmedizin ist und bleibt die zentrale Säule der Versorgung dieser Generation. Wer sich hier Kompetenz aneignet, positioniert sich nicht nur zukunftssicher, sondern gewinnt auch eine tiefe berufliche Erfüllung.

Mein Rat an Kolleg:innen: Fangt klein an. Sucht euch einen Fortbildungskurs zur geriatrischen Basisversorgung. Implementiert einen Assessment-Test. Nehmt euch beim nächsten multimorbiden Patienten bewusst fünf Minuten mehr Zeit, um nach den persönlichen Zielen zu fragen. Ihr werdet den Unterschied sofort spüren – bei euren Patient:innen und bei euch selbst.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich eine spezielle Zertifizierung, um geriatrische Patient:innen zu behandeln?

Nein, die Behandlung alter Menschen gehört zum Kerngebiet der Allgemeinmedizin. Für eine vertiefte, strukturierte und besser vergütete Versorgung ist die Zusatzbezeichnung "Geriatrie" oder zumindest die Qualifikation für die EBM-Ziffern 03320/03321 (Hausärztlich geriatrische Basisversorgung/Komplexbehandlung) jedoch sehr empfehlenswert. Die Kurse werden von den Landesärztekammern angeboten und lohnen sich in der Regel wirtschaftlich und fachlich.

Wie gehe ich mit Patient:innen um, die keine Einsicht in ihre Grenzen haben (z.B. Autofahren trotz Demenz)?

Eine der schwierigsten Situationen. Wichtig ist, das Thema früh und behutsam anzusprechen, idealerweise noch bevor es kritisch wird. Ich nutze objektive Tests (Uhrentest, TUG) als Gesprächsgrundlage: "Schauen Sie, der Test zeigt eine Einschränkung der Reaktionsfähigkeit. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für Sie und andere." Oft hilft es, alternative Lösungen anzubieten (Fahrdienst, Einkaufshilfe). Im äußersten Fall ist die ärztliche Schweigepflichtentbindung gegenüber der Führerscheinstelle eine rechtliche Möglichkeit, wenn eine konkrete, erhebliche Gefahr besteht. Dies sollte aber das letzte Mittel sein und immer gut dokumentiert werden.

Kann ich als Hausarzt überhaupt die Zeit für aufwändige geriatrische Assessments aufbringen?

Ja, aber nur mit einer geänderten Praxisorganisation und Abrechnung. Der Schlüssel ist, die Zeit dafür einzuplanen und zu vergüten. Blocken Sie längere Termine. Nutzen Sie Ihr Team zur Vorbereitung (Medikamentenliste sammeln, Fragebögen vorab aushändigen). Und vor allem: Nutzen Sie die abrechnungsfähigen Leistungen wie die geriatrische Basisversorgung. Diese sind genau dafür gedacht, den zeitlichen Mehraufwand zu kompensieren. Starten Sie mit einem einfachen Assessment pro Tag und steigern Sie sich.

Was ist der größte Fehler, den man in der geriatrischen Versorgung machen kann?

Aus meiner Sicht: Weiterbehandeln nach Schema F, ohne die Gesamtsituation und die Patientenpräferenzen zu berücksichtigen. Dazu gehört, bei jedem neuen Symptom sofort ein neues Medikament zu verschreiben, ohne an Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen der bestehenden Therapie zu denken. Oder aggressive Diagnostik und Therapie zu betreiben, die die Lebensqualität verschlechtert, ohne einen relevanten Nutzen für den betagten Menschen zu bringen. Der zweite große Fehler ist, die Angehörigen und das Pflegepersonal nicht als Partner einzubeziehen.

Sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann ist eine erfahrene Wissenschaftsjournalistin, die komplexe Themen aus den Bereichen Technologie, Gesundheit und Umwelt verständlich aufbereitet. Mit ihrer fundierten Expertise macht sie aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich. Ihr Ziel ist es, wissenschaftliche Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln und ihre Leser für zukunftsweisende Themen zu begeistern.

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